Presse: Wiesbadener Tagblatt: Tàpies und die Freiheit der Kunst


Anne Winkel in Wiesbadener Tagblatt, 06.11.09

„Tàpies und die Freiheit der Kunst

06.11.2009 – WIESBADEN

Von Anne Winkel

AUSSTELLUNG Heute Vernissage in der Galerie Nero

Ab heute zeigt die Galerie Nero (Nerostraße 9) Druckgrafiken von Antoni Tàpies aus vier Jahrzehnten. Die Schau wird um 19 Uhr mit einer Einführung der Galeristin Susanne Kiessling und einer drucktechnischen Erläuterung des Wiesbadener Künstlers Bernd Brach eröffnet.

Antoni Tàpies, geboren 1923 in Barcelona, gilt als der bedeutendste spanische Maler des Informel. Die Auflösung des klassischen Formenprinzips zeigt sich bei ihm in der Einarbeitung seiner Initialen sowie in wiederkehrenden Zeichen.

Die Farbe Rot etwa verwendet Tàpies zur Darstellung seiner katalanischen Heimat, für deren Unabhängigkeit er sich ebenso einsetzt wie für die schöpferische Freiheit der Kunst. In der Radierung „Bande rouge“ (1984) wird ein rotes Band von zwei reduzierten Anführungszeichen eingefasst und zugleich mittels Durchstreichung negiert. Ein Verweis auf die nicht gehörten Anliegen der Katalanen? Oder auf die langfristigen Folgen eines Verbots der eigenen Sprache für die Identität eines Volkes?

Seinen Weg als Künstler begann Tàpies autodidaktisch. Nach einem Unfall als 17-Jähriger entdeckte er für sich das Zeichnen. Inspiriert von Joan Miró, Paul Klee und Max Ernst widmete sich Tàpies erst dem Surrealismus, bevor er sich durch einen Kontakt mit Dubuffets Art Brut dem Informel zuwendete.

In der Galerie Nero hängen nun 18 Drucke des Künstlers; 15 Bilder stammen aus der Pariser Galerie Lelong. Von Radierung und Lithografie über Sieb- und Prägedruck bis hin zu Collagen sind die Techniken vielfältig und oft kompliziert – wie bei „Dyptyque avec croix“ (1983), einer ungewöhnlichen Zucker-Radierung.

Die Ausstellung zeigt Tàpies von verschiedenen Seiten, aber stets mit hohem Erkennungswert. Sein großes philosophisches und religiöses Interesse schlägt sich in allen Werken nieder. Insbesondere Sartres Existentialismus, wonach ein Mensch zwar durch Zufall geboren wird, seinem Leben aber selbst einen Sinn geben muss, hat ihn beeindruckt. Auch Tàpies Werke sind nicht einfach da. Erst die Aufschlüsselung durch den Betrachter gibt ihnen Bedeutung.“


zur online Version dieses Artikels im Wiesbadener Tagblatt geht es hier…

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